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Was sie mit der Faszienrolle nicht erreichen können

Aktualisiert: 22. Juli 2022


Seit einigen Jahren haben sich Hilfsmittel zur Regeneration und Verletzungsprophylaxe im Sport und Fitnessbereich vermehrt durchgesetzt. Man spricht im Allgemeinen vom sog. Foamrolling. Das wohl bekannteste Produkt auf dem Markt ist die sogenannte Blackroll. Es handelt sich hierbei meistens um eine Schaumstoffrolle oder einen Ball mit unterschiedlichen Härtegraden, die dabei helfen sollen, die Faszien von „Verklebungen" zu lösen, um so den Stoffwechsel im Gewebe zu verbessern, um die Regeneration von Gewebe zu beschleunigen und um Verletzungen vorzubeugen oder einfach nur um alte Schmerzhafte „Spannungen“ zu lösen.





Mittlerweile ist das Hilfsmittel auch bei Schmerzgeplagten Menschen angekommen, die sich dadurch erhoffen ihre Schmerzen besser in den Griff zu bekommen.

Man rollt dabei mit stärkerem Druck über die Schmerzhaften Stellen hinweg und hofft darauf das sich dabei die „Spannungen“ lösen und eine Verbesserung von z.B. Beweglichkeit und Schmerz eintritt. Der Markt ist überflutet mit ähnlichen Produkten von sehr vielen Firmen. Einige Menschen besitzen mittlerweile solch ein Produkt, ohne jedoch genau zu wissen, wann und wie sie es genau einsetzen sollen, sodass viele nicht wissen bei welchen Problemen es Sinn macht und wann man es besser sein lassen sollte.



Was sind Faszien?


Faszien sind ein anderer Begriff für Bindegewebe. dazu gehören Bänder, Sehnen, Kapseln und andere Hüllenähnliche Strukturen, welche alles im Körper miteinander verbinden. Sie umhüllen Muskeln und Organe. Sie Stützen und Schützen diese Strukturen. Sie geben Ihnen Form und Halt. In diesem Faszien Netzwerk verlaufen auch wichtige andere Strukturen wie z.B. Blutgefäße, Nervenbahnen und Lymphgefäße. Ist eine Faszien Spannung vorhanden kann jede der genannten Strukturen Probleme machen z.B. kann es sein das ein Körperteil sich immer kühler anfühlt, weil eine Faszien Spannung ein Blutgefäß irritiert oder es kann sein das ihnen manchmal die Hand oder ein Finger einschläft oder kribbelt, weil eine derartige Spannung einen wichtigen Nerv irritiert. Es kann aber auch sein das eine alte Verletzung nicht richtig abschwillt, weil eine Spannung den Lymphabfluss stört und daraus eine Stauung (Schwellung) entsteht.




Man sieht also wie stark der Einfluss dieses Faszien Netzwerkes auf den Körper ist. Auf der anderen Seite dient das Faszien System auch als Information und Kommunikationssystem mit dem Gehirn. Überall in diesen Faszien befinden sich kleine Sensoren (Propriozeptoren) welche ständigen Informationen an unser Gehirn übermitteln z.B. wie schnell sich ein Gelenk bewegt oder welche Position gerade ein Körperteil im Raum einnimmt oder welche Kraft gerade aufgebracht werden muss damit wir den Arm überhaupt heben können. Ohne diese Informationen aus den Faszien könnte unser Gehirn nicht die richtige Antwort schicken wie z.B. die optimale Anspannung der Muskulatur damit wir den Arm überhaupt heben können.

Wenn wir eine erhöhte Fasziale Spannung haben, kann das unseren Bewegungsablauf stören und behindern. Es kann sein das wir bestimmte Bewegungen nicht mehr ökonomisch ausführen können. Bleibt dieses unökonomische Bewegungsmuster bestehen können daraus Überlastungen und Reizungen anderer Strukturen entstehen (z.B. an Sehnenansätzen) und im Extremfall eine Verletzung entstehen z.B. eine „Zerrung“ oder ein Muskelfaserriss. Aber was zählt nun alles zu einer Faszialen Spannung? Da Muskeln und Faszien zusammenarbeiten ist all das was wir im Volksmund als Verspannung, Muskelkater, Überbelastung oder Zerrung nennen auch eine Fasziale Spannung.




Was passiert beim Foamrolling eigentlich?


Mittlerweile kann die Wissenschaft erklären wieso sich das Gewebe nach einer Faszien Behandlung so erstaunlich schnell „entspannt“ anfühlt. Unsere Faszien kann man sich von der Funktion Bildhaft wie einen Schwamm vorstellen, der sich mit Flüssigkeit füllen kann. Sind diese Faszien mit Flüssigkeit getränkt, können diese sich gut gegeneinander bewegen, agieren und reagieren. Sie sind elastisch und geschmeidig. Bei einer Faszialen Verletzung also bei „Verspannungen“ und „Verhärtungen“ ist Das Gewebe wie „verklebt“ die Faszien haben eine Flüssigkeit und Sauerstoff Defizit und verlieren an Elastizität und vermitteln uns ein Gefühl von Steifheit und Schmerzen. Über das erstmalige Auspressen der Faszien (Ausrollen) werden Stoffwechselendprodukte sowie Lymphflüssigkeit abtransportiert. Im Anschluss daran nimmt das Gewebe wieder neue wichtige Substanzen auf. Der Stoffwechsel der Faszie wird innerhalb von kürzester Zeit angeregt und es setzt recht schnell eine Verbesserung ein. Dies kann sich darin äußern das die Beweglichkeit, welche davor noch eingeschränkt war, sofort besser wird und dass das Gefühl der Steifheit, der Verhärtung oder der Verspannung sowie der Schmerz verschwindet oder besser wird. Es kann auch sein das wir wieder mehr Kraft im betroffenen Bereich aufbringen können.



Wann macht Foamrolling Sinn und wann nicht?


Mit herkömmlichen Faszienrollen lassen sich eindeutig größere Spannungsbereiche sehr gut behandeln z.B. die Oberschenkelvorderseite. So macht es Sinn nach dem Training größere Muskelpartien behutsam auszurollen, um den Muskeltonus etwas zu senken und um den Stoffwechsel anzuregen sowie das Allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Ein häufiges Problem ist es aber das es sehr regelmäßig zu deutlich schmaleren und kleineren Faszialen Spannungen im Gewebe kommt, mit denen man mit Hilfe von einer Rolle oder einem Ball sich keine Linderung verschaffen kann. Man rollt einfach darüber hinweg. Das Ganze ist schmerzhaft jedoch ohne Erfolg. Meistens landet es bei den Menschen, welche unter chronischen Schmerzen leiden auf dem Schrank und dient somit nur noch als Staubfänger. Momentan lassen sich solche schmalen und länglichen Spannungsverläufe (auch Triggerband genannt) nur mit speziellen Physiotherapeutischen Behandlungstechniken behandeln. Das ist der Grund wieso viele Menschen letzten Endes beim Therapeuten landen, weil sie sich nicht besser zu helfen wissen. Achten sie also immer genau darauf, wie groß der Schmerzhafte Bereich ist und wie weit er sich erstreckt und wählen sie dementsprechend ihr Hilfsmittel aus. Wenn sie das Gefühl haben sie können ihr Problem mit der Rolle nicht erreichen nehmen sie einen kleineren Gegenstand z.B. ein Golfball oder einen Flummi. Erschrecken sie aber nicht, wenn auf einmal durch den Druck mit dem Golfball der Schmerz stärker und deutlicher zu spüren ist. Dies liegt daran das sie jetzt ihr Problem auf den Punkt genau getroffen haben.

Freuen sie sich lieber das sie jetzt ihrem Problem schneller ein Ende bereiten Können. Behandeln sie diese Stelle so wie ich es in den Videos gezeigt habe und überprüfen sie sich selbst ob es Ihnen hilft (weniger Schmerzen, bessere Beweglichkeit, mehr Kraft) Wenn sie das Gefühl haben sollten, immer noch nicht richtig an diese Stelle hinzukommen so suchen sie bitte einen Therapeuten auf der etwas von Faszialer Behandlung versteht und lassen sie sich von ihm helfen.




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